Der große Wurf lässt auf sich warten

15.01.2018

Ab dem 13. Januar 2018 gilt in Deutschland die neue Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Service Directive, PSD2). Damit will die EU den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr weiter fördern sowie sicherer, bequemer und billiger machen. Doch Banken und andere Zahlungsdienstleister müssen nicht sofort die nötigen Sicherheitsmaßnahmen und Kommunikationsinstrumente einführen. Sie haben noch über 18 Monate Zeit die technischen Vorgaben der Regulatory Technical Standards (RTS) umzusetzen. Ralf Ohlhausen, Business Development Director bei der PPRO Group, kommentiert: Ein entscheidender Punkt der PSD2 ist die Aufhebung des Monopols der Banken beim Zugriff auf Kontodaten. Dies soll Finanz-Start-ups stärken, sowie die Entwicklung und Nutzung innovativer Online- und Mobilfunkzahlungen fördern. So müssen Banken jetzt mindestens eineSchnittstelle anbieten, über die Zahlungsdienstleister auf die Konten der Bankkunden zugreifen können. Die Banken wollten ursprünglich, dass die Daten dann nur noch über spezielle Schnittstellen und nicht mehr direkt über Online Banking abgefragt werden dürfen. Die Richtlinien schreiben nun aber vor, dass Banken das sogenannte Screen Scraping auf Basis der willentlichen Weitergabe der Zugangsdaten an Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdienste ab dem 13. Januar 2018 vorerst nicht mehr boykottieren dürfen. Damit haben sie nun den nötigen Anreiz, nicht nur eine minimalistische, sondern eine umfangreiche und für beide Seiten effizientere API Schnittstelle anzubieten, die dann auch zu verbesserten Anwendungen führen kann. Allerdings haben es nicht alle EU-Länder geschafft, die PSD2 zu diesem Datum umzusetzen. Es gibt also einige Grauzonen bis das geschehen ist, und dann weiterhin, bis die wesentlichen Änderungen, über welche in den vergangenen Monaten so heftig diskutiert wurde, mit den RTS – voraussichtlich im dritten Quartal 2019 – in Kraft treten werden. Der große Wurf lässt also noch weiter auf sich warten. Es gibt jedoch jetzt schon viel zu tun auf beiden Seiten, d.h. Banken und Fintechs wären gut beraten spätestens jetzt einen Zahn bei ihren notwendigen Entwicklungen zuzulegen.

 

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